Er kämpft für das Herz Europas

Yanis Varoufakis und sein neues Buch “Das Euro Paradox – Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann” Er ist ein brillanter Theoretiker, ein radikaler Träumer, ein berechnender Zocker – Wirtschaftsmathematiker, Motoradfahrer – der Mann, der das Hemd über der Hose trug, als es in Brüssel um den Euro und den Verbleib Griechenlands in der EU ging: Yanis Varoufakis. Schillernd prominent wie ein Rockstar, einer der Schäuble “Wolfgang” nennt – die Zuschreibungen, die Griechenlands Ex-Finanzminister umkreisen sind so flirrend fasziniert wie kopfschüttelnd und abwertend. Für das EU-Establishment war der Ökonom, der plötzlich Politiker geworden war, die größte denkbare Provokation. Er hielt es für absurd, in einem bankrotten Land die Mehrwertsteuer zu erhöhen, Griechenland einer Sparpolitik zu unterwerfen, die jegliche wirtschaftliche Entwicklung auf Dauer unmöglich machte. Die Schuldenpolitik führe ins Verderben, sagt er, nicht nur Griechenland, sondern ganz Europa. Details der politischen Verwicklungen Anfang September erscheint in Deutschland ein neues Buch von Yanis Varoufakis. Titel: “Das Euro-Paradox. Wie eine andere Geldpolitik Europa wieder zusammenführen kann.” Darin erzählt er überraschend unterhaltsam, wie Finanzpolitik und Finanzmärkte funktionieren. Entlang der wirtschaftspolitischen Wendepunkte des 20. und 21. Jahrhunderts – unter anderem Aufgabe des Goldstandards 1973, Machtkämpfe zwischen Deutschland und Frankreich um die Dominanz in der Eurozone bis zum Banken- und Börsencrash 2008 – erläutert er kenntnisreich und bis in die Details der politischen Verwicklungen, vor allem in Deutschland, wie es zu der fatalen Deregulierung der Finanzmärkte und den Konstruktionsfehlern des Euro kommen konnte. Für ihn ist es ein Paradox. Ausgerechnet die gemeinsame Währung, die langfristig zu einer politischen und sozialen europäischen Einheit führen sollte, bewirke das Gegenteil, sie führe zur Spaltung. Dabei seien es nicht die Unterschiede der “laxen” Ökonomien des europäischen Südens und der wirtschaftlich starken Länder des Nordens, die in die Krise führten, sondern der Euro selber. Da er nicht von demokratischen Kontrollmechanismen, einer europäischen Regierung reguliert wird, führe die gemeinsame Währung in die Katastrophe. Der Euro sei wie ein schlecht konstruiertes Auto, bei dem ein Unfall garantiert sei, sagt Varoufakis. Er sei auch nicht gegen Autos, nur gegen schlecht konstruierte Autos. Der Euro müsse dringend reformiert werden. Aber die EU sei immer noch reich genug, weiterhin gutes Geld in ein schwarzes Loch aus unhaltbaren Schulden und Bankverlusten zu werfen. Angela Merkel versage mit ihrer abwartenden Haltung auf schockierende Weise.

via daserste: Er kämpft für das Herz Europas

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