„Dr. Hassgesang“: Universität Greifswald promoviert als Neonazi enttarnten Ex-Richter

Gut ein Jahr sprach Maik Bunzel als Amtsrichter auf Probe Urteile in der bayerischen Provinz – bis seine Vergangenheit als Musiker der Neonazi-Band „Hassgesang“ öffentlich wurde. Mittlerweile ist Bunzel als promovierter Anwalt tätig. Erstgutachter seiner Dissertation war ausgerechnet Ralph Weber, Professor an der Universität Greifswald und AfD-Direktkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September. Vor gut eineinhalb Jahren war der Name Maik Bunzel in aller Munde. Auf eigenen Wunsch, so hieß es damals, sei der Familienrichter auf Probe aus dem bayerischen Lichtenfels aus dem Dienst ausgeschieden. Dorthin war der damals 28-Jährige von der Freien Universität Berlin gewechselt, wo er nach eigenen Angaben seit 2012 an einer Dissertation arbeitete, die er allerdings nicht abschloss. In Lichtenfels werde Bunzel „sehnsüchtig erwartet“, schrieb die Lokalpresse im Oktober 2013. Am Berliner Kammergericht, wo sich der Berufsanfänger zunächst beworben hatte, sei er aufgrund zu schlechter Noten abgelehnt worden, fand der Tagesspiegel heraus. Üble Hetze Es war einem Zufall geschuldet, dass Bunzel von seiner Vergangenheit eingeholt wurde. Der aus Brandenburg stammende Jurist war den dortigen Behörden bereits rund zehn Jahre als Neonazi bekannt, als er nach Bayern zog. Seine Band „Hassgesang“, vermutlich ein Ein-Mann-Projekt, findet mit dem Hinweis auf eine neue Veröffentlichung im Verfassungsschutzbericht 2003 Erwähnung (pdf-Dokument). Die CD „B.Z.L.T.B.“ („Bis zum letzten Tropfen Blut“) sei strafrechtlich relevant. (…) Als Bunzel nach einem Diebstahl in einem Fitnessstudio, in dem er trainierte, von der Polizei als Zeuge befragt wurde, habe sich ein Beamter an den Namen erinnert. In dem Gespräch habe er angegeben, als Richter zu arbeiten. Laut Süddeutscher Zeitung machten die Behörden einen Fotoabgleich – und Bunzel war „enttarnt“. Offenbar bestand die Möglichkeit, dass der Neonazi schön früher hätte „auffliegen“ können, denn dem Blatt zufolge hatte der brandenburgische Verfassungsschutz seine bayerischen Kollegen über den Umzug von Bunzel informiert. Wie Spiegel TV berichtet, war der Neonazi nicht nur in der Rechtsrock-Szene eine größere Nummer – sein Projekt „Hassgesang“ steuerte neben Bands wie „Die Lunikoff Verschwörung“ oder „Noie Werte“ das Lied „Brot und Spiele“ zur 2009er „Schulhof-CD“ der NPD bei – sondern sei von den Behörden als „einer der Hintermänner“ der verbotenen „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“, auch bekannt als „Spreelichter“, eingestuft worden. Mittlerweile betreibt Bunzel als Fachanwalt für Straf- und Verkehrsrecht eine Kanzlei in seiner Geburtsstadt Cottbus. Nicht ohne Stolz, wie seiner Facebook-Seite zu entnehmen ist, führt der Musiker einen Doktortitel. Seine Dissertation mit dem Titel „Der privatärztliche Vergütungsanspruch gemäß der GOÄ im Spannungsfeld des medizinischen Fortschritts“ schrieb er am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Medizinrecht, Arbeitsrecht und Rechtsgeschichte der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald. Die Webseite der Universität weist die Disputation am 23. Februar 2016 aus. Lehrstuhlinhaber ist Professor Ralph Weber, Bunzels 272 Seiten starke Dissertation erschien jüngst in der von Weber herausgegebenen Reihe „Rostocker Medizinrechtliche Reihe“ als Band 8 im „Shaker Verlag“. (…) Bekanntlich steht Weber, früher CDU-Mitglied, ebenfalls rechtsaußen. Bei den kommenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern tritt er als Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis 30 an.

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