AfD – ein Anziehungspunkt für Adelige

Bei der AfD, der „Alternative für Deutschland“, gilt Beatrix von Storch, geborene Beatrix Herzogin von Oldenburg, als prominenteste Vertreterin ihres „Standes“. Die Berliner AfD-Chefin und stellvertretende Bundesvorsitzende brachte es mit ihrer Forderung, auf Flüchtlinge beim Grenzübertritt zu schießen, zu zweifelhaftem Ruhm. Ihrer Parteikarriere tat das keinen Abbruch. Storch gilt als AfD-Vordenkerin und Netzwerkerin. Neben Storch tummeln sich auffallend viele Schein-Adelige in der AfD. Der Begriff bedarf der Erläuterung. In Deutschland gibt es längst keine Adeligen mehr. Mit der Einführung der Weimarer Reichsverfassung 1919 wurde die Monarchie und der Adel als gesellschaftlicher Stand abgeschafft. Darüber hinaus verbietet Artikel 3 Grundgesetz die Unterscheidung zwischen bürgerlichen und adeligen Namen. „Fürstenhäuser“ und „Adelsverbände“ sorgen allerdings mit subtiler und hartnäckiger Lobbyarbeit dafür, dass es so scheint, als bestünde der Adel mit Fürsten und Grafen fort. Nicht nur die Regenbogenpresse buckelt eifrig vor „Blaublütigen“ wie „Fürstin Gloria“ (von Thurn und Taxis). Die bayerische Politik befördert den Irrglauben vom Adel noch, indem sie zulässt, dass per Namensänderung aus Grafen reihenweise Fürsten werden. In der Bundesrepublik leben etwa 60 000 Schein-Adelige. Sofern sie ihre Traditionen pflegen, kann ihnen das niemand verübeln. Kritiker registrieren allerdings, dass maßgebliche Repräsentanten des sogenannten Adels die republikanische Staatsform infrage stellen. (…) Die AfD-Vizechefin Beatrix von Storch knüpft seit 20 Jahren ein dichtes Netz mit stramm konservativen, christlich-fundamentalen Institutionen wie BürgerKonvent e.V., Zivile Koalition e.V., Allianz für den Rechtstaat e.V., in denen sie oder ihr Mann Sven von Storch den Vorsitz führen. Kern ihrer Forderung war und ist die Rückgabe von zwischen 1945 und 1949 konfisziertem Eigentum auf dem Territorium der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) – nachzulesen unter „Der Rechtsstaat.de“. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte 2005 Klagen von Opfern der Bodenreform endgültig abgewiesen mit dem Hinweis, die Bundesrepublik könne weder für das Vorgehen der damaligen Besatzungsmacht noch für Handlungen der DDR verantwortlich gemacht werden. Wie die von Storchs setzt sich auch Hubertus von Below für die Restauration alter Eigentumsrechte des Adels ein, Schlossherr und früherer Beisitzer im AfD-Landesvorstand Sachsen. Gleiches gilt für den Vertriebenenpolitiker Wilhelm von Gottberg, Beisitzer im AfD-Landesverband Niedersachsen. Der frühere Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen im Bund der Vertriebenen (BdV) plädiert offen für eine Rückkehr alter ostdeutscher Gebiete nach Deutschland. Natürlich gibt es auch in anderen Parteien Politiker aus „Adelsfamilien“, bei der CSU beispielsweise Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, bei der FDP Herrmann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich. Interessant aber, wie viele sogenannte Adelige noch vor kurzem an führenden Positionen der AfD tätig waren. Der Jurist Wolfgang von Eichborn aus Ebersberg in Bayern war im Bundesschiedsgericht der neuen Partei tätig, bevor er 2014 „wegen interner Querelen“ zurücktrat. Der ehemalige Bankmanager Hans-Joachim von Berkholz war Landesschatzmeister Schleswig-Holstein der AfD, trat aber an der Seite des ehemaligen Bundesvorsitzenden Bernd Lucke aus der Partei aus. Der ehemalige Investmentbanker Alexander Graf zu Castell-Castell, ein Sohn des kürzlich gestorbenen Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell, Lkr. Kitzingen), trat 2014 vom Posten des AfD-Landesschatzmeisters in Thüringen zurück und ließ sich „aus persönlichen Gründen“ auch von der Liste für die Landtagswahl streichen, wie die „Thüringer Allgemeine“ berichtete. Mitglied der AfD werde er „natürlich“ bleiben, sagte Castell-Castell dem Blatt. Die neue Partei rechts der Mitte übt offenbar große Anziehungskraft auf „Blaublütige“ aus. Das verwundert nicht. Traditionell überwiegt in ihren Kreisen das konservative Element.

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