Wie Change.org unsere E-Mails verkauft

Artikel zuerst erschienen am 18. Juli 2016 im italienischen „Espresso“: Così Change.org vende le nostre email Der „Espresso“ hat die Preisliste der Firma „Change.org“ (Preise zwischen 1,50 € und 85 Cent) erhalten und einige Kunden kontaktiert. Zwischen verlegenen Antworten und seltenen Zugeständnissen, haben wir auf dem Gebiet des Geschäfts des „Amazon der Online-Petitionen“ ermittelt. Diese bewegt extrem sensible Daten, wie politische Überzeugungen und ist in Deutschland Objekt einer Recherche nach Schutz der Privatsphäre. Sie wurde als „Google der modernen Politik bezeichnet“: Change.org, die populäre Plattform für die Veröffentlichung von Petitionen zu politisch-sozialen Themen, ist ein Riese mit 150 Millionen Nutzern weltweit, wöchentlich werden es eine Million mehr. Ein Ereignis wie der Brexit allein, hatte 400 Petitionen zur Folge. In Italien, wo es Change.org seit 4 Jahren gibt, haben sie bereits 5 Millionen Nutzer. Seit der von Ilaria Cucchi ins Leben gerufenen Petition für ein „Anti-Folter-Gesetz“, die bis heute 232.000 Mal unterzeichnet wurde, bis zu der über ein Verfassungsreferendum: Derjenige der noch nie eine Unterschrift auf Change.org geleistet hat, in der Hoffnung auf diese oder jene Organisation Druck auszuüben um Dinge zu verändern, möge die Hand heben. Im 21. Jahrhundert geht die Beteiligung an demokratischen Prozessen unweigerlich immer mehr über die Online-Plattformen. Und tatsächlich mangelt es nicht an Beispielen von Online-Petitionen, durch die Veränderungen in Gang gesetzt wurden. (…) Der „Espresso“ kann die Preisliste öffentlich machen, die Change.org für die Nutzer von gesponserten Petitionen anwendet: von NGO’s bis hin zu politischen Parteien, die mit der Bezahlung die E-Mail Adressen der Unterzeichnenden erwerben. Die Preise auf der Liste reichen von 1,50 € pro E-Mail Adresse, falls der Kunde weniger als 10 Tausend Adressen kauft, bis hin zu 85 Cent, für ein Paket von mehr als 500 Tausend E-Mail Adressen.

via digitalcourage: Wie Change.org unsere E-Mails verkauft

siehe auch: Der BigBrotherAward 2016 in der Kategorie Wirtschaft geht an die
Kampagnenplattform Change.org, vertreten durch die in Berlin angesiedelte Dependance des gleichnamigen US-amerikanischen Unternehmens, weil sie die personenbezogenen Daten der Menschen, die Petitionen unterzeichnet haben, in vielfältiger und nicht transparenter Art und Weise für eigene Geschäftszwecke verwendet. Das Unternehmen fertigt auf der Basis der Informationen über unterzeichnete Petitionen etwa Analysen an zur politischen Meinung, zur gesellschaftlichen Positionierung oder zur sozialen Situation von Einzelpersonen und verwendet diese für eigene wirtschaftliche Zwecke. Change.org ist nämlich tatsächlich keine „non-profit“ Bürgerbewegung in digitaler Form, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, in dessen Geschäftsmodell die Verwendung und Nutzung von sensiblen personenbezogenen Daten sowie der Handel mit E-Mail-Adressen eine zentrale Rolle einnehmen.

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