NSU-Ausschussmitglieder fürchten um ihre Sicherheit

In Thüringen wollen Landtagsabgeordnete mögliche Verbindungen des NSU zur organisierten Kriminalität untersuchen. Sie wollen das öffentlich tun, verlangen aber Schutz. Der NSU blieb lange unentdeckt, weil die Ermittler die Täter im Bereich der organisierten Kriminalität suchten, statt dem Verdacht auf ein politisches Tatmotiv nachzugehen. In Thüringen will sich der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages jetzt seinerseits mit einer möglichen Verbindung der rechtsextremen Terroristen zu Schwerverbrechern widmen. Dabei wird es unter anderem um die Frage gehen, welche Kriminellen bei der Beschaffung der Waffen der Rechtsterroristen geholfen haben. Zudem soll aufgeklärt werden, ob Ermittler im Bereich der organisierten Kriminalität Hinweise auf die Verbrechen des NSU hatten. Einige der Abgeordneten des Ausschusses fürchten, durch die Untersuchungen dieser Verbindungen könnten sie selbst zum Ziel von Schwerkriminellen werden. Deshalb wollen sie vom Landeskriminalamt und vom Innenministerium beraten werden, welche möglichen Risiken sich aus der Beschäftigung mit diesem Themenkomplex ergeben könnten. Die Beschäftigung mit der organisierten Kriminalität bedeute eine andere Gefährdungslage als die Untersuchung des allgemeinen Behördenversagens, was bisher Hauptthema des Ausschusses war, sagte die Linken-Abgeordnete Katharina König. Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling sagte, es gehe nicht um Panikmache, “aber ich will schon wissen, was es für uns heißt, wenn wir in abgeschlossenen oder vielleicht sogar noch aktuellen OK-Fällen (Fällen der organisierten Kriminalität) wühlen”.  Anders als viele Rechtsextremisten seien es organisierte Kriminelle gewöhnt, im Verborgenen zu agieren und ihre Anonymität entschlossen zu schützen, sagten beide Abgeordnete. Ende der neunziger Jahre seien einige Neonazis in die organisierte Kriminalität gewechselt, sagt König ZEIT ONLINE. Als einen der bekannten Fälle nennt sie den Überfall auf einen Geldtransporter im thüringischen Pößneck 1999. Damals erbeuteten die Täter 70.000 Mark – mutmaßlich, um Geld für die Übernahme eines Bordells zu bekommen. Die Täter gehörten zum Thüringer Heimatschutz, aus dem später der NSU hervorging.

via zeit: NSU-Ausschussmitglieder fürchten um ihre Sicherheit

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