Rechte Gewalt in Vorpommern – „Er kam frontal auf mich zugerast“ – #schauhin #völkisch

Eine junge Frau wird in Vorpommern von einem NPD-Funktionär mit seinem Auto angefahren. Kein Einzelfall, wie sich herausstellt. Ich war mit meinen Eltern im Urlaub auf Usedom im Wohnmobil. Es war meine erste Reise in die Region. An diesem Tag, Mitte August, wollten wir mit dem Fahrrad fahren. Ich wartete auf meine Eltern in Eggessin, mitten in der Stadt, an der Kreuzung mit dem Birnbaum. Neben mir war ein NPD-Großplakat, halb abgerissen. NPD-Fraktionschef Udo Pastörs war noch zu erkennen. Ich hatte mein Fahrrad neben mir abgestellt, aß eine Birne, da kam plötzlich ein weißer Volkswagenbus angerast. Am Steuer saß ein Mann, auf dem Beifahrersitz ein kleiner Junge. Ich kannte den Mann nicht. Erst später erfuhr ich, dass es Tino Müller war.“
Eggesin, Vorpommern, ganz im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. 4.800 Einwohner, eine Backsteinkirche, hinter der Stadt viel Heidelandschaft. Und: eine Hochburg der NPD. Seit Jahren fährt die Neonazi-Partei hier Spitzenergebnisse um die 15 Prozent ein. Auch weil in der Region einer ihrer umtriebigsten Funktionäre aktiv ist: Tino Müller. (…) „Als der Volkswagenbus auf meiner Höhe war, bog er plötzlich ab und fuhr frontal auf mich zu. Ich guckte dem Jungen auf dem Beifahrersitz erschrocken in die Augen. Dann rammte das Auto mein Fahrrad am Hinterrad, ich konnte gerade noch zur Seite springen. Tino Müller bremste, sprang aus dem Wagen und schrie mich sofort an. Eine „linke Göre“ sei ich, gegen die man vorgehen müsse. Ich könne hier nicht alles kaputtmachen. Wie ich hieße? Ich sagte es ihm nicht. Der Junge guckte mich erschrocken an, mein Fahrrad lag direkt vor dem Auto. Ich wollte es aufheben und wegfahren. Aber Müller hatte es schon genommen und hielt es fest, während er mich weiter anschrie. Ich sagte, er solle mir mein Fahrrad wiedergeben. Müller erwiderte, das könne ich vergessen. Ich hatte riesige Angst und fing an zu weinen. Ich wollte nur weg.“ Tino Müller gehört zu den radikalen Vertretern seiner Szene. Seine Kameradschaften trugen klingende Namen wie „National-Germanische Bruderschaft“. Müller mischte auch bei der Heimattreuen Deutschen Jugend mit, die in Zeltlagern Kinder ideologisch drillte. Die Gruppe wurde 2009 vom Bundesinnenministerium verboten: Sie verbreite „nationalsozialistisches Gedankengut“ und schule Kinder in „Rassenkunde“.

via taz: Rechte Gewalt in Vorpommern – „Er kam frontal auf mich zugerast“

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