Ausgangssperre für Flüchtlinge in Bautzen Sieg der Rassisten

Die Polizei in Bautzen lobt sich für die Wiederherstellung der Ruhe in der Stadt. Tatsächlich hat sie den Rechtsextremen das Feld überlassen, indem sie die Flüchtlinge in ihre Unterkünfte sperrt. Schnell scheint die Welt im beschaulichen Bautzen wieder in Ordnung. “Die unschönen Szenen, wie sie an den vergangenen Abenden am Kornmarkt zu sehen waren, gab es heute nicht”, sagte der örtliche Polizeidirektor Uwe Kilz. Heißt: Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts mehr zu sehen. Überregionale Medienvertreter können die ostsächsische Stadt also wieder verlassen, Politikerinnen und Politiker andere Themen kommentieren, und recht bald kann auch die Polizeipräsenz wieder zurückgefahren werden. Alles bleibt beim Alten. Dass es am Donnerstagabend, an dem über 300 Rechtsextreme und Rassisten durch Bautzen zogen, ruhig blieb, hatte wohl einen einfachen Hintergrund: Die Objekte ihrer rassistischen Begierde, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, unterliegen seit gestern einer Ausgangssperre. Ab 19 Uhr dürfen sie ihre Unterkunft nicht mehr verlassen. Dass es zu Auseinandersetzungen kam, an denen die jungen Flüchtlinge beteiligt waren, bestreitet niemand. Doch man macht es sich leicht, bedient sich rassistischer Logik und schiebt typisches Verhalten junger Männer, das unter Einfluss von Alkohol verstärkt wird, einfach ihrer Herkunft zu. Die “unschönen Szenen” könnte Herr Kilz auch als das bezeichnen, was sie waren: rassistische Angriffe, eine Hetzjagd auf Menschen, die Schutz und Sicherheit suchen. Doch das Wort Rassismus geht auch im Jahr 2016 noch nicht jedem so leicht über die Lippen.

via spon: Ausgangssperre für Flüchtlinge in Bautzen Sieg der Rassisten

siehe auch: Das braune Elend. Die öffentliche Darstellung der Ereignisse in Bautzen deckt die eigentlichen Täter, nämlich den organisierten Rechtsterrorismus. Wer solche Medien hat, braucht keine „Lügenpresse“ mehr. Die öffentliche Darstellung der Ereignisse in Bautzen grenzt an unterlassene Hilfeleistung und Anstiftung zum Pogrom. Sie deckt die eigentlichen Täter, nämlich den organisierten Rechtsterrorismus in Deutschland. „Polizei: Gewalt ging von Asylsuchenden aus“, „Krawalle in Bautzen: ‘Stimmung ist bedrohlich und angespannt’“, „Alkoholverbot und Ausgangssperre für junge Flüchtlinge“ – die Geschichte geht so: Besoffene Flüchtlinge haben Krawall gemacht und bekommen dafür Hausarrest und Alkoholverbot, sie haben angefangen und sind ein Problem.
Aber jeder, der die zurückliegenden Monate Revue passieren lässt, auch ohne das braune Elend von Bautzen mit eigenen Augen gesehen zu haben, kann wissen, dass sich seit fast drei Jahren in Deutschland eine mörderische faschistische Bedrohung aufbaut. Organisierte Nazis und ein völkischer Mob finden zusammen. Seit 2014 bis Mitte 2016 hat es 2.500 Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte im ganzen Land gegeben – rassistische Angriffe, Beleidigungen und Demütigungen gar nicht mitgezählt. Diese Stimmung ist mit der Ankunft Zehntausender Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan und etlichen afrikanischen failed states ab Mitte 2015 nochmals gefährlich eskaliert und durch Politik, Behörden und Medien weiter angeheizt worden. Es verwundert nicht, dass, nachdem eine schwere Brandstiftung in Bautzen wie in tausend anderen Städten des Landes weitgehend ohne Konsequenzen blieb, deutsche Nazis sich ermächtigt fühlen, in diesem mörderischen Sinne fortzufahren und auf Geflüchtete loszugehen, die nicht mit der Solidarität ihrer Umgebung oder dem Schutz der Sicherheitsbehörden rechnen können. In Bautzen verabredete man sich via Facebook zum „Ausländerklatschen“. Die Polizei wusste von nichts. Sie kommt erst dazu, als sich die 20 Bedrohten beginnen, gegen einen Mob von 80 (!) Nazis zu wehren: Schon das offiziell bestätigte Zahlenverhältnis beschreibt eine Notwehrsituation.

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