Thüringer Verfassungsschutz: Ex-Präsident veranstaltet Vortrag mit extrem rechten VS-Beobachtungsobjekt „Burschenschaft Normannia zu Jena“

Die Burschenschaft Normannia zu Jena ist die einzige Thüringer Burschenschaft, die wegen ihrer Neonazi-Verbindungen seit Jahren vom Thüringer Inlandsgeheimdienst beobachtet wird. Nun traf sich Helmut Roewer getreu der Devise „mittendrin statt nur dabei“ mit den extrem rechten Normannen in Jena zu einem gemeinsamen Vortragsabend. Er leitete von 1994 bis 2000 den Thüringer Verfassungsschutz. Am 1. Dezember 1999 veranstaltete die Burschenschaft Jenensia in Jena einen Vortrag mit Peter Dehoust, Herausgeber der extrem rechten Zeitschrift ,Nation und Europa‘ und Eigentümer eines Grundstücks bei Kahla, auf dem bereits Mitte der 1990er Jahre Schiessübungen stattgefunden haben sollen. Bei der Veranstaltung der Burschenschaft kam ein „Saalschutz“ von bis zu 20 Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes (THS) zum Einsatz, aus dem Heimatschutz ging bekanntermaßen der NSU hervor.  (…) Roewer publiziert inzwischen in rechtskonservativen, verschwörungstheoretischen bis extrem rechten Magazinen, zum Beispiel im Compact Magazin von Jürgen Elsässer seit 2014 oder im Grazer Ares Verlag seit 2010 (wir hatten hier berichtet). Im Dezember 2015 brachte er im YouTube-Interview mit „QuerdenkenTV“ im Kontext mit Protesten gegen Flüchtlinge einen „Umsturz“ in Deutschland ins Gespräch und deutete an, dass er während seiner Zeit als Präsident Möglichkeiten genutzt habe, um kritischen Journalisten zu schaden. Am 17. Juli 2016 kündigte die „Burschenschaft Normannia in Jena“ ein „besonderes Ereignis“ an, man wolle darüber reden, welche noch kommenden „Überraschungen“ das „System Merkel“ weiter bereithalte. Dazu habe man einen Redner gefunden, der zur „Neuen Weltordnung“ referieren könne, „es liest ein ehemaliger Repräsentant und Geheimdienstfunktionär dieses, „unseres geliebten Systems“ aus seinem aktuellen Buch“ hieß es in der Ankündigung. Dr. Helmut Roewer höchst persönlich, verkündete die Normannia stolz. Die besondere Würze, so die Burschenschafter, bestehe darin, „daß dieser Vortrag vor Leuten stattfinden wird, zu deren Überwachung der Gastredner einst angetreten ist“. Unter der neuen Generation Normannia-Mitgliedern aus den letzten Jahren finden sich weitere organisierte Neonazis, wie Nico Schneider, ehemals JN, der mit Ralf Wohlleben auch für Beiträge beim „Freie Netz Jena“ verantwortlich war und beim Rechtsrock-Konzert „Fest der Völker“ mithalf. Aus Emails geht hervor, dass er 2009 von Wohlleben Aufträge erhielt und ausführte. In einer Email tauschten beide Originalvorlagen für „FN“-Graffitis aus, die sich danach gesprüht an über 30 Stellen in Jena wiederfanden. Auch der Liedermacher Tobias Winter, der beim Freien Netz in Jena/Kahla tätig war, gehört zur Normannia-Burschenschaft und trägt ihre Farben auch bei anderen Neonazi-Veranstaltungen. Er tritt regelmäßig bei internationalen Konzerten von „Blood & Honour“ als Musiker auf, eine Vereinigung die 2000 in Deutschland verboten wurde. Am 19. August 2016 fand der Vortrag mit Roewer schließlich bei der Burschenschaft Normannia zu Jena ohne weitere Außenwirkung statt. Unter den Teilnehmern befand sich der Neonazi Hendrik Radtke. (…) Der Auftritt bei der Normannia ist nicht Roewers erster Auftritt bei einer rechten Burschenschaft, bereits im November 2015 referierte er bei der Burschenschaft Thessalia zu Prag in Bayreuth zum Thema „Verfassungsschutz – Ein langlebiges Provisorium. Errichtung, Aufgaben und Funktionsweisen der deutschen Inlandsgeheimdienste“. Die Thessalia zählt zum äußersten rechten Rand im Korporationsspektrum , auch Roewer dürfte sie aus seiner Zeit als Verfassungsschutz-Präsident kennen. Im Bayreuther „Thessalenhaus“ lebte mehrere Jahre Mario Brehme, er war Stellvertreter von Tino Brandt beim Thüringer Heimatschutz, der nach eigenen Angaben einen Großteil seines Honorars von rund 100.000 € Honorar des Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz zurück in den THS zurückgeleitet hatte und dadurch mit Verfassungsschutz-Honoraren die Organisation stark machte. Brehme besuchte bis 1997 mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mehrfach Aufmärsche sowie Treffen von „Anti-Antifa Ostthüringen“ und „Thüringer Heimatschutz“. Im Sommer 1998 reiste mit Andre Kapke nach Südafrika, um dort unter anderen den Nazipublizisten Claus Nordbruch zu besucht. Im Münchener NSU-Prozess erklärte im Februar 2016 ein Nebenkläger: „Es liegen zahlreiche Aussagen vor, dass mit diesem über die mögliche Unterbringung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gesprochen wurde.“ Im Zusammenhang mit seiner eigenen Befragung vor dem Oberlandesgericht wurde in den Medien über eine Tätigkeit Brehmes für den Militärischen Abschirmdienst spekuliert. In der innerverbandlichen Debatte der Deutschen Burschenschaft positionierte sich die Thesallia in der Verbandszeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“ bereits 2010 für das Abstammungsprinzip als Aufnahmekriterium, Teile des Beitrages wurden von der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks auf dem Burschentag 2011 für den so genannten „Ariernachweis“-Antrag verwendet.

via thüringen rechtsaußen: Thüringer Verfassungsschutz: Ex-Präsident veranstaltet Vortrag mit extrem rechten VS-Beobachtungsobjekt „Burschenschaft Normannia zu Jena“

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