»Ich kann dagegen einfach nicht mehr anschreiben«

Veselin Popovic hat sieben Jahre als »Lauter Bautz’ner« gebloggt. Nach den rassistischen Ausschreitungen der vergangenen Tage stellt er seine Website ein. Er war die Stimme eines anderen Bautzen, sein Blog gehörte zu den auch bundesweit beachteten regionalen Webseiten. Nun stellt Veselin Popovic seine Website »Lauter Bautz’ner« ein – als Reaktion auf die rassistischen Hetzjagden gegen Geflüchtete und vor allem wegen der politischen Reaktionen der Stadt darauf. »Die Stadt, der Landkreis, die Polizei, die Zivilgesellschaft – sie alle haben sich entschieden. Bautzens Zukunft wird zukünftig durch die Expertise gewalttätiger Neofaschisten mitbestimmt«, schreibt Popovic mit Blick auf Äußerungen des parteilosen Oberbürgermeisters Alexander Ahrens, der sich offen für Dialog mit Rechtsradikalen gezeigt hatte. »Zu einem sachlichen Gespräch bin ich immer bereit«, war er zitiert worden – nachdem mehrere Neonazi-Gruppierungen eine »Ruhepause« der Aufmärsche angekündigt und dies mit ultimativen Forderungen verbunden hatten. Mit drohenden Neonazis reden? Was sich hinter der »Nationalen Front Bautzen« oder »rechtes-kollektiv.BZ« verbirgt, darüber kann es nicht den leisten Zweifel geben: Im Netz machen die Gruppen mit offen neonazistischer Propaganda Front. Sie drohten der Stadt damit, weiter zu mobilisieren, wenn es keine »spürbare Verbesserung der Situation« in Bautzen gebe – in ihrem Sinne. Parolen wie »Es wird Zeit, dass ihr Ratten uns Deutsche wieder fürchtet« oder Abbildungen von  Wehrmachtssoldaten mit dem Schriftzug »Wir bleiben deutsch« sind das klar rechtsextremistische Aushängeschild der »Nationalen Front Bautzen«. Dass sich Ahrens mit solchen Neonazis beraten wolle, stieß im Netz und bei der Linkspartei auf scharfe Kritik. »Ich fände es ja besser mit Demokraten über Probleme mit Rechtsradikalen in Bautzen zu sprechen«, sagte etwa die sächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay via Twitter. Der Landesvorstand der sächsischen Linkspartei warnte inzwischen vor einer »National befreiten Zone«, das Auftreten der Rechtsradikalen zeige, »wie sicher sich diese Nazis in Bautzen« fühlten. Blogger Popovic hat in seinem Abschiedstext die »offizielle Umsetzung« der in den vergangenen Tagen durch gewaltsam auftretende Rechtsradikale und Rassisten demonstrierten »Menschenverachtung durch den Landkreis« beklagt, »der jugendliche Ausländer aus dem Stadtbild entfernt; durch die Polizei, die es nicht schafft, tobenden Nazis ihre Grenzen aufzuzeigen; mit dem Gesprächsangebot des Oberbürgermeisters gegenüber denjenigen, die nichts anderes im Sinn haben, als Bautzen Deutsch zu halten«. Enttäuschung und Kritik richtet der Lauter Bautz’ner auch in Richtung eines Großteils der Bürgerinnen und Bürger der Stadt, »die sich als hehres Ziel einer demokratischen Gesellschaft ›Ruhe & Ordnung‹ ausgesucht haben«.

via nd: »Ich kann dagegen einfach nicht mehr anschreiben«

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