Warum Weiße nie “Neger” sagen sollten

Innenminister Herrmann sagt, das Wort “Neger” gehöre nicht zu seinem Sprachgebrauch. Die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst hält die Talkshow-Szene hingegen für “entlarvend”. Die Geschichte des Begriffs ist die der rassistischen Unterdrückung. Wer ihn verwendet, rechtfertigt aus Sicht des Historikers Sebastian Jobs Unterwerfung und Gewalt. Die Aufregung um die Äußerung des bayerischen Innenministers könnte einen Bewusstseinswandel in Deutschland andeuten. Auch wenn man die viel diskutierte Talkshow “Hart aber fair” am Montagabend gesehen hat und einmal dem bayerischen Innenminister glauben möchte, dass er den Satz “Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger” rein ironisch und als Konter auf einen zuvor gesendeten Einspieler verwendet habe: Das Wort geht Joachim Herrmann ganz locker über die Lippen. Lächelnd sagt er es, er scheint sich über sein Beispiel zu freuen. Die Empörung aber ist groß. Zu Recht, sagen Wissenschaftler, denn: Wer nicht schwarz ist, kann das Wort nur rassistisch verwenden. Später sagt Herrmann, er würde das Wort sonst nie benutzen. Marianne Bechhaus-Gerst, Afrikanistin und Politikprofessorin aus Köln, glaubt die Rechtfertigung des bayerischen Innenministers nicht: “Dafür kam das zu schnell aus ihm raus”, sagt sie. Die Szene zeige, “wie weit vorne das Wort in seinem normalen Sprachgebrauch” sei. “Das halte ich für entlarvend.” Selbst Ironie kann das nicht retten.

via sz: Warum Weiße nie “Neger” sagen sollten

Salzhemmendorf: Die unauffälligen Neonazis von nebenan?

Nach dem Anschlag in dem beschaulichen Weserberglandort Salzhemmendorf lautet die Frage: Gab es Anzeichen für die rechten Umtriebe der Attentäter? Heutzutage marschieren nicht alle, die eine rechte oder rechtsextremistische Gesinnung haben, mit einschlägigen Symbolen durch die Gegend. Wes’ Geistes Kind mancher Mitbürger ist, verrät manchmal ein Blick in die digitale Welt der sozialen Netzwerke. Die Informationen zu den mutmaßlichen Attentätern sind im Internet frei zugänglich. Hätte die Gefahr eines Brandanschlags erkannt werden können? Die Facebook-Suche nach Sascha D., einem der mutmaßlichen Brandstifter von Salzhemmendorf, hat unter anderem zum Ergebnis, dass er dort 761 Freunde hat. Sascha D. hat auch oft den “Gefällt mir”-Knopf gedrückt, unter anderem für Gruppen und Seiten, die sich mit Autos beschäftigen, mit der Region Hameln-Pyrmont, in der er lebt, oder mit Feuerwehren, schließlich war Sascha D. Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Sascha D. gefallen aber auch die Seiten “Ultras und Hooligans”, “Recht auf Wahrheit”, “Kraftschlag”. Zumindest die letzten zwei Seiten haben eindeutig rechte Tendenzen. Einer der Freunde von Sascha D. ist der zweite mutmaßliche Brandstifter, Dennis L. Auf einem der Bilder, die Dennis L. auf seiner Seite hochgeladen hat, steht dieser in einem Zimmer, in der Linken eine Flasche Bier, die rechte Hand lässig in der Hosentasche, der Blick aus dem Fenster. Auf dem schwarzen T-Shirt steht in weißen Lettern “Terroristen mit E-Gitarre”. Eine Anspielung auf ein Lied der verfassungsrechtlich verbotenen Band Landser. Am 19. März 2013 schreibt Dennis L. “Schlagt sie tot!!!” auf seiner Facebook-Seite. Sascha D. reagiert: “Wen den jetzt schon wieder” und Dennis L. antwortet: “Für manche Menschen hätte eine Dusche aufbleiben sollen!!”. Die Dusche eine Anspielung auf die zum Teil als Duschräume getarnten Gaskammern in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern wie Auschwitz? Sascha D. quittiert diesen Spruch mit einem “Hehe”. (…) Und doch scheint zumindest Sascha D. als Feuerwehrmann ein normales Leben in Salzhemmendorf geführt zu haben. Auch bei Dennis L. gibt es Verbindungen zur Feuerwehr: Sein Facebook-Freund ist der dortige Jugendfeuerwehrwart, der auf der sozialen Seite wiederum mit dem Neonazi André K. befreundet ist. Dieser war auf der Kundgebung am Freitag vorläufig in Gewahrsam genommen worden.

via ndr: Salzhemmendorf: Die unauffälligen Neonazis von nebenan?

Queer Home Kryvbass was attacked

Yesterday around 20:30 in the evening, unidentified men in masks attacked a Queer Home Kryvbass. The attackers threw smoke bombs at the community center and destroyed the premises. During an attempt to stop criminals one of the center visitors was attacked and stunned. At the moment he is in the emergency department, the information about his condition is being clarified. A day earlier, on the night from 29 to 30 of August closed LGBT party was attacked in Kryvyi Rih. About 2 o’clock after the midnight the door of the cafe, where a closed event was held, was knocked down and about 20 men in masks broke in and beaten up the visitors. Witnesses said the attackers were in the T-shirts with symbolic of the Right Sector.

via gay alliance ukraine: Queer Home Kryvbass was attacked

AI protests against discrimination of Roma at Czech schools

The AI report said a disproportionately high number of Romany students attended practical elementary schools for children with moderate intellectual disabilities. Prague, Aug 31 (CTK) – The Amnesty International (AI) group handed a petition against alleged discrimination against Romanies at Czech schools, signed by over 38,000 people from 94 countries, to Czech Deputy Education Minister Jaroslav Fidrmuc yesterday. The petition campaign started in April with a report on cases of Romanies who were discriminated against within the Czech education system. This campaign ended outside the seat of the Education Ministry yesterday. AI placed information panels presenting stories of Czech Romany children in the street. The AI report said a disproportionately high number of Romany students attended practical elementary schools for children with moderate intellectual disabilities. It wrote that segregated Romany schools were created and that bullying of Romanies occurred at quality schools.

via praguemonitor: AI protests against discrimination of Roma at Czech schools

Neonazi greift Polizisten in Berliner S-Bahn an

In der Berliner S-Bahn griff ein Neonazi einen Bundespolizisten an, nachdem dieser ihn wegen seiner menschenverachtenden Äußerungen ermahnt hatte. Der Angreifer war polizeibekannt – gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen der Erschleichung von Leistungen in 21 Fällen vor. Extrem rechte Parolen riefen einen Bundespolizisten zu Beginn der Woche in der Berliner S-Bahn auf den Plan. Auf dem Weg zur Arbeit fiel dem Beamten in der S 3 von Friedrichshagen nach Ostkreuz ein Mann auf, der sich am Telefon mehrfach menschenverachtend äußerte. Deshalb schritt er ein und versuchte die Identität des Neonazis festzustellen. Damit war dieser keineswegs einverstanden: Er griff den Polizisten umgehend an, würgte sein Opfer und holte zu einem Faustschlag aus. (…) Die Streife nahm in anschließend mit auf die Wache, wo sich die nächste Überraschung offenbarte. Denn gegen den Festgesetzten, der über keinen festen Wohnsitz verfügt, lag ein Untersuchungshaftbefehl wegen Erschleichens von Leistungen in 21 Fällen vor.

via endstation rechts: Neonazi greift Polizisten in Berliner S-Bahn an

siehe auch: Eskalation auf dem Weg zum Dienst – Bundespolizist unterbindet rechtsradikale Parolen. Ein Bundespolizist schritt gestern gegen einen Reisenden ein, der rechtsradikale Parolen in einer Berliner S-Bahn verbreitete. Die Situation eskalierte und endete mit einer Festnahme und Haft. (…) Gegen den 27-Jährigen lag zudem ein Untersuchungshaftbefehl wegen Erschleichens von Leistungen in 21 Fällen vor. Die Bundespolizei leitete gegen den Täter Strafverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung ein. Anschließend wurde er im zentralen Polizeigewahrsam eingeliefert.

Berliner Fußballmannschaft wegen judenfeindlicher Attacken gesperrt

Nach den Tumulten beim Fußballspiel zwischen TuS Makkabi und BFC Meteor 06 hat der Berliner Fußballverband den BFC Meteor 06 gesperrt. Makkabi-Spieler waren als “Judenschweine” und “dreckige Juden” beschimpft woren. Das Spiel musste abgebrochen werden. Nach den Tumulten beim Fußballspiel TuS Makkabi gegen BFC Meteor 06 hat der Berliner Fußballverband die Meteor-Mannschaft für weitere Spiele gesperrt. Wie berichtet, hatte es am Sonntag auf dem Sportplatz an der Harbigstraße in Westend Auseinandersetzungen beim Spiel der 3. Herrenmannschaften gegeben. „Auf Grundlage des Schiedsrichterberichtes wurde ein Spieler von Meteor 06 mit einer Vorsperre belegt“, sagte Verbandssprecher Kevin Langner am Dienstag der Berliner Zeitung. Auch dessen Mannschaft sei vorerst von weiteren Spielen suspendiert. Das Sportgericht werde am 18. September über das Strafmaß entscheiden. Schon im Verlauf der ersten Halbzeit seien Spieler von TuS Makkabi von den Gegenspielern als „Judenschweine“ und „dreckige Juden“ beschimpft worden, teilte der Verein mit. Der 21-jährige Meteor-Spieler, der nun gesperrt ist, ging nach Erkenntnissen der Polizei auf einen 25 Jahre alten TuS-Anhänger los und pöbelte ihn judenfeindlich an. Er versetzte ihm einen Fußtritt in den Bauch. Zudem soll er sich die Eckfahne gegriffen und versucht haben, diese dem Mann auf den Kopf zu schlagen. Bevor der Schiedsrichter gegen ihn die rote Karte zücken konnte, ging das Spiel im Tumult unter. Es kam zu weiteren Handgreiflichkeiten.

via berliner zeitung: Berliner Fußballmannschaft wegen judenfeindlicher Attacken gesperrt

Umtriebige Szene im Weserbergland

Nach dem Mordanschlag auf Flüchtlinge im niedersächsischen Salzhemmendorf (Kreis Hameln-Pyrmont) sitzen zwei Rechtsextremisten und eine Frau in Haft. Kurz nach der Tat sprach die Polizei von „keine Erkenntnisse über eine gefestigte rechte Szene“ in der Region – ein üblicher Reflex im Weserbergland, wenn es um Neonazi-Strukturen geht. Ganz knapp haben am vergangenen Freitag eine Mutter und ihre drei Kinder einen Brandanschlag auf ihre Wohnung in der 10 000-Einwohner-Gemeinde Salzhemmendorf überlebt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatten drei Personen einen Brandsatz durch ein Fenster geworfen. Im Nebenraum schlief die Familie. Nur dem Zufall, dass der Molotowcocktail nicht zerbrach, und den wachen Augen eines Nachbarn, der sofort die Feuerwehr alarmierte, ist es zu verdanken, dass niemand verletzt wurde. Insgesamt leben in dem Gebäude, einer ehemaligen Schule, 40 Menschen, darunter 31 Asylbewerber. Bereits in einer ersten Pressekonferenz am Tattag behauptete der Chef der Hamelner Polizei, Ralf Leopold, vor bundesweitem Publikum, dass es im Landkreis Hameln-Pyrmont keine rechte Szene gäbe. Im Weserbergland existieren jedoch seit Jahren rechtsextreme Strukturen, die regelmäßig auch mit Gewaltakten an die Öffentlichkeit treten. Und noch am Freitagabend konnten die Ermittler drei dringend tatverdächtige Personen festnehmen, darunter zwei Rechtsextremisten aus Salzhemmendorf. Gegen das Trio wird nun wegen gemeinschaftlich begangenen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung ermittelt. Die Beschuldigten, die sich gegenüber der Polizei bereits zu der Tat äußerten, sitzen seit Samstag in Untersuchungshaft. (bnr.de berichtete) „Aktionsgruppe Weserbergland“ bundesweit auf Neonazi-Demos In Salzhemmendorf selbst soll es eine rechtsextreme Clique geben, die aus zehn bis 15 jungen Erwachsenen, fast ausschließlich Männern, besteht. (…) Reflexartig wird im Weserbergland nach rechtsextremen Straftaten darauf hingewiesen, dass eine rechte Szene eigentlich nicht existiere. Trotz überregionaler Medienberichterstattung etwa über die militante „Nationale Offensive Schaumburg“ sprechen Verantwortliche in der Politik zumeist von „Einzelfällen“. Als Ende 2011 der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) aufflog und herauskam, dass einer der mutmaßlichen Unterstützer der Terrorgruppe, Holger G., in Lauenau (Kreis Schaumburg) wohnt, hieß es zunächst, dass im Weserbergland keine gefestigten rechten Strukturen existierten. Nicht nur der alljährliche „Trauermarsch“ von Neonazis im nahegelegenen Bad Nenndorf lässt ein anderes Bild erscheinen, sondern auch die zahlreichen rechtsextremen Gruppen und Übergriffe der vergangenen 15 Jahre in der Region. Währenddessen wurden die Umtriebe von Neonazis in der Kleinstadt Bückeburg lange als Konflikt zwischen rechts- und linksorientierten Jugendlichen abgetan, bevor erkannt wurde, dass hier straff organisierte „Autonome Nationalisten“ am Werk waren. Zeitweise zählte die dortige Neonazi-Szene Dutzende Mitglieder und Sympathisanten, bei einer Razzia wurden 2011 Waffen und Sprengmittel sichergestellt. Gut vernetzt ist das rechte Milieu im Weserbergland einerseits mit Kameraden im angrenzenden Ostwestfalen-Lippe und andererseits mit militanten Kräften in der Region Hannover. So kamen Mitglieder der 2012 verbotenen Kameradschaft „Besseres Hannover“ etwa aus Hildesheim und Obernkirchen (Kreis Schaumburg), ein Führungskader der Gruppe ist in Niedernwöhren (Kreis Schaumburg) ansässig. Bei einem Neonazi aus dem Umfeld von „Besseres Hannover“ in Bad Münder (Kreis Hameln-Pyrmont) fanden Polizeibeamte 2013 neben einer Reichskriegsfahne und einem Hitler-Ölgemälde Schusswaffen. Dem Besitzer wurde der Waffenschein abgenommen. (…) Die gewaltverherrlichende Gruppe „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ zählt auch zu den Lieblingsbands des wegen des Brandanschlags von Salzhemmendorf inhaftierten Sascha D. Der 24-Jährige, der wegen politisch motivierter Straftaten der Polizei bekannt ist, machte aus seiner Gesinnung keinen Hehl: So gratulierte er etwa offen auf Facebook Adolf Hitler am 20. April 2012 zum Geburtstag. Nachdem er 2009 zum Feuerwehrmann in Salzhemmendorf ernannt wurde, fiel er kurze Zeit später als Brandstifter auf, wurde deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt und musste die Feuerwehr zunächst verlassen. Doch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr gaben ihm eine zweite Chance, wie der Salzhemmendorfer Bürgermeister inzwischen bestätigte. Selbst beim Brand in der Flüchtlingsunterkunft, für den er selbst verantwortlich sein soll, half D. am Freitagmorgen beim Löschen. Wieso ein amtsbekannter Rechtsextremist als Feuerwehrmann akzeptiert wurde, ist bisher ungeklärt. Auch D.s mutmaßlicher Mittäter Dennis L., der ebenfalls wegen rechtsextremer Straftaten auffällig gewesen sein soll, trat im Internet offen als Neonazi auf.

via bnr: Umtriebige Szene im Weserbergland