Holocaustleugnung in der Heide?

Mit einem Polizeieinsatz endete am Sonnabend ein Treffen von Rechtsextremisten im Walsroder Ortsteil Nordkampen. Die Beamten beschlagnahmten die Lautsprecheranlage und machten deutliche Ansagen: In der Polizeisprache nennt man das Gefährderansprachen. Es bestehe der Verdacht, dass in einer Rede auf dem Privatgelände der “Holocaust geleugnet worden sei”, wie die Polizeiinspektion des Heidekreises NDR Info auf Nachfrage bestätigte. Eine weibliche Person soll eine entsprechende Rede gehalten haben. Ermittelt wird jetzt wegen des Verdachtes der “Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen” (§ 86a StGB) – eine Tat, die laut Gesetz mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden kann. Zwar fand das Treffen auf dem Privatgrundstück eines rechten Aktivisten statt – dennoch gilt die Tagung in der Neonazi-Szene als hochrangig. Sie war beworben worden auf der Internetseite des Verdener Ortsverbandes der Neonazi-Partei Die Rechte, und zwar als “Solidaritätsveranstaltung für Ursula Haverbeck”. (…) Auch im Walsroder Ortsteil Nordkampen hatte Haverbeck-Wetzel sich am Sonnabend mit rechtsextremen Parolen zu Wort gemeldet. Dies war Auslöser für den Polizeieinsatz, nachdem Nachbarn sich über die Lärmbelästigung beschwert hatten. Angereist waren die Teilnehmer nicht nur aus Norddeutschland, sondern auch aus Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen. Der prominenteste von ihnen ist ein seit Jahrzehnten aktiver Neonazi aus Hamburg: Thomas Wulff. Pikant: Wulff ist auch Bundesvorstandsmitglied der rechtsextremen NPD. Sein Erscheinen bei dem Treffen in Walsrode dürfte im Rahmen des laufenden NPD-Verbotsverfahrens Beachtung finden.

via ndr: Holocaustleugnung in der Heide?

Neuer Prozess gegen 87-jährige Holocaust-Leugnerin

Vor Gericht sprechen Auschwitz-Überlebende über ihre Leidenszeit. Gleichzeitig leugnet eine Rechtsextremistin, dass es das Todeslager überhaupt gegeben hat. In Kürze wird ihr der Prozess gemacht. Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho muss sich am 2. September vor dem Amtsgericht in Detmold verantworten. Die 87-Jährige hatte im Februar behauptet, das Konzentrationslager Auschwitz sei “eindeutig erkennbar” ein Arbeitslager gewesen. Sie äußerte dies in einem Schreiben an den Detmolder Bürgermeister Rainer Heller. Hintergrund war der damals am dortigen Landgericht laufende Auschwitz-Prozess. Dieser Prozess gegen den früheren SS-Wachmann Reinhold Hanning diene lediglich dazu, die These vom Arbeitslager zu widerlegen, meinte Haverbeck. Hanning wurde am 17. Juni zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

via welt: Neuer Prozess gegen 87-jährige Holocaust-Leugnerin

Lithuania town marks 75th anniversary of massacre of Jews

Lithuania’s president has joined hundreds of people marking the 75th anniversary of the massacre of about 2,000 Jews by Nazi occupiers and their Lithuanian collaborators in the town of Moletai. It was the first such high-profile event commemorating the massacre, which President Dalia Grybauskaite said shows the Baltic country is becoming more “open and tolerant.” More than 90 percent of Lithuania’s 240,000 Jews were killed during World War II. The role of local units is sensitive in Lithuania, which mainly views itself as a victim of Nazi and Soviet occupations.

via kswo: Lithuania town marks 75th anniversary of massacre of Jews

In argentinischer Disco: Abiturienten einer deutschen Schule provozieren mit Hakenkreuzen

Mit Hakenkreuzen-Armbinden und Hitlerbärten sollen Schüler einer deutschen Schule eine argentinische Diskothek betreten haben. Daraufhin soll es zu einer Schlägerei mit Schülern einer jüdischen Schule gekommen sein. In einer Diskothek in Argentinien soll ein Streit zwischen Abiturienten einer deutschen Schule aus Buenos Aires und Schülern einer jüdischen Schule eskaliert sein. Die Schüler der deutschen Schule seien bei einem Kostümfest in einer argentinischen Disco mit Hakenkreuz-Armbinden, Hitlerbärten und anderen Nazi-Symbolen an den Körpern erschienen. Daraufhin sei ein Streit ausgebrochen, der in einer Schlägerei endete. Das berichtete unter anderem die argentinische Tageszeitung “La Nación”. Der Vorfall soll sich bereits am Dienstag ereignet haben, wurde aber erst jetzt bekannt. Wie die Zeitung “La Nación” berichtet, seien die Schüler der deutschen Schule von den Schülern der jüdischen Schule aufgefordert worden, die Hitlerbärte und die Hakenkreuze zu entfernen, was diese allerdings abgelehnt haben sollen. Der Vorfall soll in einer Disco in Bariloche geschehen sein – in dem Ort im Süden Argentiniens, in dem sich neben dem ehemaligen SS-Hauptsturmführer Erich Priebke auch der für seine bestialischen Experimente bekannte Auschwitz-Arzt Josef Mengele zeitweise versteckt hielt.

via spon: In argentinischer Disco: Abiturienten einer deutschen Schule provozieren mit Hakenkreuzen

siehe auch: Bariloche: estudiantes del colegio ORT denuncian que fueron agredidos por jóvenes disfrazados de nazis en el viaje de egresados. La pelea ocurrió en el boliche Cerebro; los atacantes serían estudiantes de una escuela alemana de Lanús, que tenían esvásticas pintadas en el cuerpo. Estudiantes de la escuela ORT de la Ciudad de Buenos Aires denunciaron que fueron agredidos en un boliche durante el viaje de egresados. Los atacantes estaban disfrazados con simbología nazi y serían de una escuela alemán del partido bonaerense de Lanús. El repudiable hecho ocurrió en el reconocido boliche Cerebro de Bariloche, donde había colegios que habían organizado el viaje con la empresa Baxtter. La mamá de uno de los chicos agredidos contó cómo fue el episodio: “En un momento de la noche, llegaron al lugar jóvenes con cruces esvásticas y bigotes pintados del estilo que usaba Hitler. Mi hijo y sus amigos se quejaron y pidieron que los saquen, y lo único que hicieron desde el boliche fue exigirles que se saquen la pintura y las esvásticas”, contó. En una entrevista con Radio Latina, añadió: “Te podrás imaginar que despintarte los bigotes y la esvástica no es señal de dejar de ser un nazi discriminador. Terminaron todos a los golpes y los echaron a todos del boliche, no sólo a los agresores”; Nazi salute provokes Jewish students at Argentina nightclub. ‘Anti-Semitic attitudes’ toward ORT pupils by graduates of German-language school sparks brawl in Bariloche. Students attending a German-language school in Argentina were accused of offending Jewish counterparts at a resort while wearing fake Hitler mustaches and performing Nazi salutes. The incident, which escalated into a brawl, occurred Wednesday at a night club at Bariloche, 800 miles southwest of Buenos Aires, according to Argentina’s National Institute Against Racism, Discrimination and Xenophobia. No one suffered serious injury during the confrontation.
The pupils from the German-language Sociedad Escolar y Deportiva Alemana Lanús Oeste school were in Bariloche to celebrate their graduation when they “expressed  discriminatory and anti-Semitic attitudes” toward pupils of the Jewish ORT school vacationing there, the report said. At least three students of the German-language school reportedly provoked the Jewish pupils with hate speech. Both groups were expelled from the Cerebro night club and brawled outside the venue.

Anzeigen wegen SS-Symbolen

Am Loibacher Feld bei Bleiburg und am Ulrichsberg sollen verbotene Embleme von Verbänden der Waffen-SS verwendet worden sein, es wurden Anzeigen eingebracht. Die Behörden müssen diese nun prüfen. Eingebracht wurden die Sachverhaltsdarstellungen nach dem Abzeichengesetz vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Verbänden der Widerstandskämpfer und NS-Opfern. Der Grund: Auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg, am Ulrichsberg bei Klagenfurt sowie in der oststeirischen Gemeinde Feldbach sollen verbotene Embleme von Verbänden der Waffen-SS und SS-ähnliche Symbole montiert beziehungsweise getragen worden sein. Ustascha- und SS-Symbole in Bleiburg Als besonders brisant schätzt das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes die jährliche Gedenkveranstaltung auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg ein. Dort treffen sich jeweils Anfang Mai tausende Kroaten, darunter oft hochrangige Politiker Kroatiens, um der Opfer eines Massakers am Ende des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Das Treffen gilt auch als Anziehungspunkt für Anhänger der faschistischen kroatischen Ustascha und des während des Zweiten Weltkriegs von ihr geführten „Unabhängigen Staates Kroatien“ (NDH), in Wahrheit ein Vasallenstaat NS-Deutschlands. Ustascha-Symbole werden in Bleiburg zur Schau gestellt und deren Lieder gesungen. Beides ist in Kroatien selbst verboten. Das Emblem der Ustascha war ein großes U mit Granate und Sahovnica. „Die Sahovnica, das Schachbrettmuster, bestimmt auch heute die Flagge Kroatiens“, heißt es in den Anzeigen. Aber im Unterschied zur heute offiziellen Sahovnica, die mit einem roten Quadrat links oben beginnt, steht bei der NDH-Sahovnica ein weißes Quadrat am Beginn. (…) Anzeigen gab es auch gegen „Organvertreter des Vereins Ulrichsberggemeinschaft UBG“ und gegen Tilo Berlin, vermutlich „Besitzer/Eigentümer der Örtlichkeit“, wie es unter Berufung auf „Presseberichte“ heißt. Auch an der Gedenkstätte Ulrichsberg, dem „Ehrenhain“, sind den entsprechenden Sachverhaltsdarstellungen zufolge militärische Abzeichen von Verbänden der Waffen-SS auf Tafeln angebracht, unter anderem des XV. SS-Kosaken-Kavallerie-Korps. Die berüchtigten Ulrichsbergtreffen haben stark an Bedeutung verloren, nachdem sich das Bundesheer 2009 zurückzog. Eine Anzeige gibt es auch in der Steiermark. In Feldbach seien SS-Symbole am Platz an der Rückseite der Pfarrkirche „Hl. Leonhard“ sowie in der nunmehrigen „Gedächtniskirche“ bzw. „Heldengedächtnisstätte“ zu finden. Bei ihnen handelt es sich um Armschilde und Mützenabzeichen der 14. Waffen-SS-Division, die im April 1943 im heutigen ukrainischen Lwiw (Lemberg) aufgestellt wurde und ebenfalls an Massakern beteiligt war. Die Sachverhaltsdarstellungen werden an das Landesamt für Verfassungsschutz weitergeleitet.

via orf: Anzeigen wegen SS-Symbolen

Czech activists seek proper burial for assassins of Nazi chief

In 1942 Josef Gabcik and Jan Kubis ambushed a Nazi and were killed in a reprisal but buried in unmarked graves. Czech activists are calling for the government to give a proper burial to two daring Czech resistance fighters who assassinated a Nazi chief, who was also one of Hitler’s most fanatical henchmen, according to The Daily Mail on Sunday. In 1942, Jozef Gabcik and Jan Kubis, British-trained Czech paratroopers, ambushed Reinhard Heydrich’s car in Prague and killing the Nazi. They are believed to be buried in the Czech capital in an unmarked grave after they were killed by an SS attack on their hideout. Their final resting place is thought to be close to an area where political prisoners were buried after being killed during the former Czechoslovakian communist regime. The Czech Ministry of Defense stated that no final decision has been taken on exhuming the pair’s remains and giving them a new burial. The mission, Operation Anthropoid, was organized by British special forces and the Czechoslovakian government-in-exile to assassinate Heydrich.

via jpost: Czech activists seek proper burial for assassins of Nazi chief

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Von Honza Groh – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4008604

Kurt Pätzold ist tot

Der marxistische Historiker starb im Alter von 86 Jahren in Berlin. Sein letzter Text im »nd« liegt nur wenige Monate zurück: Es war ein Rückblick auf den Beginn des »Krieges ohne Beispiel« und auf den deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941. Wenn man so will: das Lebensthema des Historikers Kurt Pätzold. Die Zahl seiner Publikationen über den Faschismus ist schier unüberschaubar. 1975 kam seine »Studie zur politischen Strategie und Taktik des faschistischen deutschen Imperialismus« heraus. Bald darauf erschien »Hakenkreuz und Totenkopf«, der Anfang einer fruchtbaren Kooperation mit dem Kollegen Manfred Weißbecker. Vor allem seine wissenschaftlichen Arbeiten über den Holocaust waren prägend in der DDR. Bis zuletzt war er publizistisch tätig. Erst vor wenigen Monaten erschien sein jüngstes Buch: »Der Überfall. Der 22. Juni 1941«. Es wird das letzte bleiben, dessen Erscheinen er erlebt. Kurt Pätzold ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in Berlin gestorben. Gegen das Vergessen schrieb und forscher Kurt Pätzold sein Leben lang. Und er blieb bis zum Schluss politisch: als wissenschaftlicher Beirat der Linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, als Autor und als Protagonist in den kontroversen Debatten über den real existierenden Sozialismus, die sozialistische Linke in der Bundesrepublik.

via nd: Kurt Pätzold ist tot

siehe auch: Die VVN-BdA nimmt Abschied von Prof. Kurt Pätzold. Wir müssen Abschied nehmen von einem großen antifaschistischen Geschichtswissenschaftler, Prof. Dr. Kurt Pätzold. Im Alter von 86 Jahren starb er am 19. August 2016.  Geboren am 3. Mai 1930 in Breslau erlebte er als Kind und Jugendlicher die faschistische Herrschaft, aber auch die Folgen des Krieges für die eigene Bevölkerung. Mit seiner Familie kam er 1945 nach Thüringen, wo er mit Antifaschisten in Kontakt kam und sich für einen antifaschistisch- demokratischen Neuanfang engagierte.  An der Friedrich Schiller Universität Jena beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Faschismus und Verantwortung der Konzerne, bevor er an der Humboldt-Universität Berlin sich mit dem Thema „Antisemitismus und Judenverfolgung (Januar 1933 bis August 1935). Eine Studie zur politischen Strategie und Taktik des faschistischen deutschen Imperialismus“ habilitierte. Dieses Thema und die Geschichte der NSDAP und ihrer Repräsentanten begleiteten ihn als Wissenschaftler bis zu seinem Tode. Als Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Geschichte wurde er jedoch Anfang der 90er Jahre  im Zuge der Abwicklung der Sektion Geschichte 1992 entlassen. Wir haben Kurt Pätzold in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur als Wissenschaftler, sondern als engagierten Mitstreiter in den geschichtspolitischen Auseinandersetzungen erleben können.  Er mischte sich ein in die Goldhagen-Debatte, kämpfte als Wissenschaftler gegen die Denunziation der überlebenden Buchenwald-Häftlinge durch die Veröffentlichung von Niethammer/ Wannemacher „Die roten Kapos“. In der Debatte um die Ausstellung „Vernichtungskrieg“ und den „Fall Barbarossa“ zeigte er die Verdrängungen bundesdeutscher Geschichtssicht auf.  Wir haben Kurt Pätzold als Gesprächspartner, als Referent auf Kongressen und bei Veranstaltungen erlebt. Dort wurde er für seine wissenschaftlichen, aber auch klaren politischen Perspektiven geschätzt. Trotz zunehmend deutlicher Erkrankung war er bis in die letzten Tage seines Lebens von einer enormen Schaffenskraft geprägt.  Kurt Pätzold hat als Geschichtswissenschaftler der linken und antifaschistischen Bewegung einen enormen Fundus an Wissen und Erkenntnissen zur Verfügung gestellt. Als politischer Mensch hat er sich als Teil der fortschrittlichen Bewegung gesehen und sich vielfältig und engagiert an den kritischen Debatten über das Scheitern der DDR und der anderen sozialistischen Staaten beteiligt. Seine Stimme wird uns allen von nun an fehlen.  Für die VVN-BdA: Dr. Ulrich Schneider, Bundessprecher