Category Archives: holocaust

Wie braun war dieser Professor wirklich?

Erst ehrgeizig in der SS, dann groß als Romanist an der renommierten Reform-Uni Kostanz. Ein neues Gutachten belastet Hans Robert Jauß erheblich. Wie sehr war er in Kriegsverbrechen verstrickt? Über seine braune Vergangenheit wusste man Bescheid – aber offenbar noch nicht alles. Dass Hans Robert Jauß (1921–1997) im Dritten Reich Mitglied der Waffen-SS war, ist seit den Neunzigerjahren bekannt. Jetzt hat ein neues Gutachten die Karriere des renommierten Literaturprofessors neu untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Hans Robert Jauß hat nicht alles über seine Nazi-Vergangenheit erzählt. Denn er hat sich trotz seiner Karriere in der SS stets nur zum Mitläufer stilisiert. Er hat verschwiegen, Kompanieführer einer SS-Einheit in Kroatien gewesen zu sein – so das Ergebnis eines von der Universität Konstanz in Auftrag gegebenen Gutachtens, das der Historiker Jens Westemeier erstellt hat. Die Uni Konstanz hat das Gutachten inzwischen auch zum Download bereitgestellt. Demnach “führte Jauß 1943 eine Kompanie in Kroatien. Die Einheit war sowohl selbstständig wie auch im Bataillonsrahmen im Partisanenkrieg, dem sog. Bandenkampf, eingesetzt. Dokumente belegen, dass das Bataillon dabei sog. Sühnemaßnahmen durchführte und Kriegsverbrechen beging; als Kompanieführer trug er in Führungsverantwortung dafür eine Mitverantwortung.” Mitverantwortlich für Kriegsverbrechen? Westemeier kommt zwar zu dem Ergebnis: “Eine individuelle Tatbeteiligung von Jauß ist nicht nachzuweisen.” Es sei aber auch “völlig ausgeschlossen, dass Jauß von den Verbrechen keine Kenntnis hatte. 1940 erlebte er als SS-Sturmmann mit großer Wahrscheinlichkeit die Erschießung eines dunkelhäutigen Gefangenen der französischen Kolonialtruppe durch seine Einheit; an der Ostfront war ihm die Praxis der Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen gut bekannt.” Das alles steht widersprüchlich zu dem, was Jauß zu Lebzeiten in eigener Sache geäußert hatte. So hatte er behauptet, dass er und seine Truppe nicht “zu Maßnahmen gegen Partisanen oder gegen die Widerstandsbewegung” eingesetzt worden seien: “An kriminellen Handlungen war ich nie beteiligt, was schon durch das Spruchkammerurteil von 1947 bezeugt ist.”

via welt: Wie braun war dieser Professor wirklich?

Jewish tombstones used to build Lithuanian power facility

Nearby Jewish cemetery apparently used for building materials by the post-World War II Soviet occupation authorities. Authorities in Vilnius, the capital of Lithuania, are preparing to demolish a power substation that was built using tombstones looted from a Jewish cemetery, the Mail Online reported. The use of tombstones was revealed on social media earlier this month by a local man who had noticed Hebrew and Yiddish inscriptions on the graffiti-covered walls of the substation. Archaeologists confirmed that the tombstones had been removed from a nearby Jewish cemetery. The substation was built in the 1960s, while Lithuania was under Soviet occupation. Local authorities are investigating whether Jewish tombstones were used in the construction of other buildings. (…) It was not the first building in Lithuania found to be using Jewish tombstones. In the 1990s authorities removed steps leading up to Tauro Hill, one of the highest points in Vilnius, after discovering that they were made with stones taken from a Jewish graveyard. The mayor said two other cases are now being investigated; the steps leading up to the Reformed Evangelical Church in Vilnius — which was turned into a cinema by the communists — and a wall outside a high school in the city.

via haaretz: Jewish tombstones used to build Lithuanian power facility

Notorischer Holocaust-Leugner muss ins Gefängnis

Wieder einmal konnte der Szeneanwalt Wolfram Nahrath einen seiner Mandanten nicht vor einer Verurteilung bewahren. Arnold Höfs, pensionierter Steuerberater und bekannter Holocaust-Leugner, muss wegen Volksverhetzung für zehn Monate hinter Gitter. Das entschied gestern das Landgericht Hannover. Arnold Höfs sei ihm seit Jahren bekannt und unbelehrbar, erklärte Oberstaatsanwalt Jens Lehman laut Medienberichten im Laufe des Verfahrens vor dem Landgericht Hannover, das über den notorischen Holocaust-Leugner in zweiter Instanz zu entscheiden hatte. Dazu passte, dass er mit Wolfram Nahrath, den letzten Vorsitzenden der 1994 verbotenen Wiking-Jugend, einen bekannten Szeneanwalt als Rechtsbeistand engagiert hatte. Der Berliner Jurist vertritt häufiger Relativierer und Leugner des deutschen Massenmordes, meist mit wenig Erfolg .
In der Tat ist Höfs in der Angelegenheit kein Unbekannter und in der Szene gut vernetzt, die ihm aufgrund seiner Ausbildung gerne auch in finanziellen Fragen vertraute. Er war Schatzmeister des 2008 verbotenen Vereins „Bauernhilfe e.V.“, einer Teilorganisation innerhalb des ebenfalls verbotenen „Collegium Humanum“, einem Sammelbecken bekannter Holocaust-Leugner. Für die neue Sammlungsbewegung der Szene, der Europäischen Aktion (EA), stellte er laut NDR-Recherchen zeitweise ein Spendenkonto zur Verfügung. Mit dem EA-Gründer Bernhard Schaub nahm Höfs 2006 an Ahmadinedschads „Holocaust-Konferenz“ in Teheran teil. „Faktenspiegel“ nicht wissenschaftlich Auf die Anklagebank brachte den 69-Jährigen einer seiner „Faktenspiegel“, kleine Bücher, die er unter dem Pseudonym „Herbert Hoff“ veröffentlicht. Wegen dieser Veröffentlichungen wurde er laut Medienberichten schon einmal zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurteilt. Welche Ansichten der Rentner in seinen Heftchen vertritt, kann einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln entnommen werden.

via endstation rechts: Notorischer Holocaust-Leugner muss ins Gefängnis

„Zugführer alle nach Auschwitz“ – Wird jetzt gegen einen YouTuber ermittelt?

Wer sich in diesen Tagen so richtig Bestätigung abholen möchte, der regt sich über den Bahnstreik auf. Je länger der Showdown zwischen GDL und Bahn dauert, desto mehr Hobby-Demagogen fühlen sich berufen, gegen die Lokführer zu wettern. Weil die Springer-Presse das aber schon seit Wochen mit ziemlich hoher Feuerrate tut, muss man mittlerweile schon ganz schön laut schreien, wenn man noch gehört (und geliket) werden will. (…) JuliensBlog ist ein eigentlich kein Blog, sondern der Youtube-Kanal eines 26-Jährigen, der mit fast 1,25 Millionen Abonnenten zu den Top 20 der beliebtesten YouTubern Deutschlands gehört. Am Dienstag hat dieser YouTuber also beschlossen, seinen Senf zum GDL-Streik zu geben—und ist damit ziemlich übers Ziel hinausgeschossen. Der Großteil des fast fünfminütigen Videos besteht im Grunde aus Beleidigungen im Stil Jan Leyks. Immerhin macht Julien sich die Mühe, die Forderungen der GDL durchzugehen, um sie dann als Gejammer von „austauschbaren Nullnummern” oder „irrelevanten Spasten” in der „Hurensohnarmee” zu beschimpfen. Irgendwann scheint das aber nicht mehr zu reichen, also greift er zum letzten Register. Da heißt es dann: „Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahin bringen. Ich fahr’ auch den Zug, und zwar umsonst.”  Das Ganze natürlich unterlegt mit Bildern von Auschwitz, damit auch niemand diese Widerwärtigkeit verpasst. Hat auch keiner, und mehr als 34.000 Menschen haben dem Video jetzt schon Daumen hoch gegeben. „Der @JuliensBlog sagt das, was ich mich nicht traue auf Youtuber [sic] auszusprechen”, schreibt ein anderer YouTuber. „I like. Soo hart!” Mittlerweile sind aber auch die Erwachsenen auf das Video aufmerksam geworden, und so langsam wird es ungemütlich für JuliensBlog. Die ersten Anzeigen wurden bereits gestellt, Google will sich das Video noch mal anschauen, und die Münchner Polizei hat sich schon eingeschaltet, um zu prüfen, ob die Aussagen strafrechtlich relevant sind.

via vice: „Zugführer alle nach Auschwitz“ – Wird jetzt gegen einen YouTuber ermittelt?

siehe auch Leser_innen-Fundstücke: Juliens Blog und die vergaste GDL. Täglich beobachten Sie, liebe Leserinnen und Leser, Rechtsextremismus, Rassismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten – im Internet und in der realen Welt. Wir werden zukünftig einige Fundstücke in unregelmäßiger Folge mit kurzen Kommentaren veröffentlichen. Heute: Juliens Blog und die vergaste GDL. YouTube hat seine ganz eigenen Stars, und einer davon ist ein junger Mann namens Julien Sewerin. Laut YoutubeWiki ist er 26 Jahre alt, Deutscher mit italienischen Wurzeln und hat über 1.225.000 Abonnenten (Stand: 20.04.2015). Damit gehört er zu den Top 20 der meistabonnierten YouTubern in Deutschland. Seine Fans hat er offenbar mit Analysen von Rap-Songs gewonnen, in einem sarkastisch-bitterbösen Stil, und diesen dann später auch auf Verrisse der Bibel oder der BILD-Zeitung angewandt. Provokationen und Massenbeleidigungen seien seine Hauptstilmittel, berichtet das Netzfeuilleton schon 2013. (…) Die Grenzen zwischen Satire, verletzender gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und sogar Volksverhetzung sind oft fließend. Ein trauriges Beispiel dafür ist Juliens aktuellstes Video (das auch ohne diesen Disclaimer daherkommt): “GDL – Bahnstreik”. Ein Aufregerthemer für viele, auch Julien regt sich auf, und es wird schnell klar, dass Niveau nicht sein Thema ist: Es hagelt – um die Gewerkschaft der Lokführer und Lokführer an sich zu verunglimpfen – sexistische und behindertenfeindliche Beschimpfungen mit Sekundentempo. Außerdem blamiert sich Julien mit einer völlig unreflektierten Sicht auf Streiks und Streikkultur an sich, die aber viele seiner Follower (laut entsprechender Kommentare unter dem Video) teilen oder sich gar zu eigen machen, weil ein solches “Vorbild” es ihnen auf YouTube erzählt. (…) Richtig “hübsch” wird es ab Minute 3:50: “Vergasen sollte man sie, diese Mistviecher. Wisst Ihr noch, wie die Juden in Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahinbringen! Ich fahr auch den Zug und zwar umsonst und werde nicht einmal streiken.” Bebildert mit dem Foto einer Gaskammer und Zügen voller Jüdinnen und Juden auf dem Weg in die Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland. Herabsetzung des tödlichen Antisemitismus der Nazis als “humoristisches” Stilmittel bei gleichzeitiger Todesdrohung pauschal gegen alle Lokführer. Mehr Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lassen sich kaum in 4 Minuten YouTube unterbringen. Ganz “humoristisch”, natürlich. Und wie reagieren die größtenteils jugendlichen Zuschauer_innen auf diese 4 Minuten Hass? Die meisten, die in der Kommentarspalte eine Meinung hinterlassen, finden es gut, stimmen zu, versuchen, einen noch krasseren Kommentar mit noch mehr Beleidigungen pro Rechtschreibfehler zu hinterlassen.

Greek town demands Star of David removed from Holocaust memorial

Jewish groups reported that authorities in the Greek port of Kavala want the Star of David to be removed from a Holocaust memorial or they will not permit its display. The American Jewish Committee said Friday that its partner body in Greece, the Central Board of Jewish Communities, reported that municipal authorities had canceled a May 17 ceremony unveiling the memorial. A Star of David is engraved into the monument. The authorities want the ancient Jewish symbol, which also features on the Israeli flag, removed before they allow the memorial’s display. “How can it be that the eternal symbol of the Jewish people – the very symbol that the Nazis required Jews to wear in the death camps and ghettos of Europe during the Second World War – is deemed unfit for public display in Kavala?” AJC’s executive director, David Harris, said in a statement. The memorial commemorates the 1,484 Jews in the northern city murdered by the Nazis.

via searchlight: Greek town demands Star of David removed from Holocaust memorial

Auschwitz Album put on display in Prague

The photographs from the Auschwitz Album mostly show new arrivals from Subcarpathian Rus at the Auschwitz concentration camp in 1944. Photos offer unique glimpse at arrival of Subcarpathian Rus residents at Auschwitz in 1944. A new exhibition will features copies of all of the almost 200 photographs from the Auschwitz Album, a unique document from 1944. Although most of the people in the photographs are citizens of pre-war Czechoslovakia from Carpathian Ruthenia, this album has not previously been shown in the Czech Republic. The exhibition also describes how the album was created, how it was found by the Auschwitz survivor Lili Jacob and what happened to it after the war. A major role in its post-war fate was played by the Czech capital city and the Jewish Museum in Prague, where in 1947 copies were made of the photographs in the album.  The original album was donated to Yad Vashem in 1980, according to exhibit curator Martin Jelínek. The exhibition also presents previously unpublished findings about the album and about Lily Jacob. Above all, it draws attention to the fact that although the album is usually talked about in connection with the transports of Hungarian Jews, the photographs actually depict citizens of pre-war Czechoslovakia.

via praguepost: Auschwitz Album put on display in Prague

Report: Anti-Semitic vandalism spiked in Ukraine in 2014

Popular targets for vandals recorded in report were synagogues and Holocaust memorials, including Kiev’s Babi Yar. Anti-Semitic vandalism in Ukraine, including occurrences of graffiti and attempted arson, spiked in 2014, according to a new report by the Association of Jewish Organizations and Communities (Vaad) of Ukraine. However, the surge in anti-Semitic violence expected in the wake of early 2014’s Ukrainian revolution, failed to materialize. Vyacheslav Likhachev, who monitors anti-Semitism for the Euro-Asian Jewish Congress and the Vaad, recorded 23 such incidents over the course of the year within both Ukrainian and separatist- held territory. Incidents of vandalism had held steady at nine annually since 2011, having fallen from a peak of 21 in 2006. “Thus, even though the statistics for 2014 display significant growth in both anti-Semitic vandalism and anti-Semitic violence in comparison with previous years, the peak of the crimes remains in the mid-2000s [first decade of the century], and when taking the long perspective, the situation over the last five years seems to be relatively stable,” Likhachev explained. Popular targets for vandals were Holocaust memorials, including Kiev’s Babi Yar. Several synagogues, in Zaporizhya, Simferopol, Mykolaiv, Kiev and Hust, also were targeted in attempted arson attacks. According to Likhachev, the increase in the desecration of Jewish sites can be explained by the fact that “symbolic violence has now been legitimized in Ukrainian society,” with a significant percentage of Ukrainians approving of the destruction of statues of Lenin and other Russian and communist symbols. “The psychological barrier between theoretical intolerance and symbolic violence has become quite transparent for persons leaning towards radicalism,” he wrote. “One needs to take into account that thousands of young people in Ukraine have experienced making and using incendiary mixtures in the winter struggle, as well as have undergone even more extreme and traumatic experiences that have seriously shifted the boundaries of what is acceptable.” The researcher added that the Jewish community’s outspoken support for Ukrainian nationalism has “provoked anti-Semitic acts from pro-Russian separatists.” According to Likhachev’s numbers, however, just four incidents of violence that could definitely be causally linked to anti-Semitic motives occurred during the course of 2014, all of which occurred in the first half of the year in Kiev, the capital.

via jpost: Report: Anti-Semitic vandalism spiked in Ukraine in 2014

Unerzählte Geschichten: Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau

Dieser Tage erinnern sich Sinti und Roma des Aufstands im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau – Gedenken und Forschung sind heute wichtiger denn je. Am Abend des 15. auf den 16. Mai 1944 umzingelten mit Maschinengewehren bewaffnete SS-Soldaten das Lager für Sinti- und Roma-Gefangene, das sogenannte “Zigeunerlager” des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, mit der Absicht, die nahezu 6.000 Häftlinge zu töten. Doch als die SS-Soldaten das Lager umstellten, um mit dem Abtransport der Inhaftierten zu den Gaskammern zu beginnen, stießen sie auf bewaffneten Widerstand vonseiten der Männer, Frauen und Kinder im Lager. Die Gefangenen hatten von der geplanten “Liquidierung” gehört und hatten sich Waffen aus Blech und Holz, Rohren, Steinblöcken und anderem Schrottmaterial, was immer sie finden konnten, gemacht. Nach den Erinnerungen von Überlebenden und Zeugen des Widerstands gaben die SS-Truppen ihren Plan, als sie mit den bewaffneten Häftlingen konfrontiert waren, schnell auf. Durch ihre improvisierten Waffen und koordinierten Anstrengungen schafften die Gefangenen es, die SS-Truppen abzuwehren und den Abtransport zu den Gaskammern zu verhindern. Zwar wurden einige Gefangene dennoch in jener Nacht erschossen, doch durch ihren organisierten Widerstand konnten die Sinti- und Roma-Gefangenen ihre Hinrichtung in den Gaskammern noch um einige Monate verzögern. (…) Koordiniert von der Roma-Organisation “La Voix des Rroms” werden in Paris während des ganzen Monats Mai Feiern und Aktionen zum Gedenken an den Widerstand der Roma in Auschwitz-Birkenau veranstaltet und am 15. und 16. Mai finden in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten wie auch in Lateinamerika Veranstaltungen zum Gedenken an den Aufstand und zur Feier der Widerstandskraft der Roma-Gemeinschaften statt.

via derstandard: Unerzählte Geschichten: Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau

Nazis hatten Zulassung verweigert – 102-Jährige legt Promotionsprüfung ab

Eine 102-jährige Kinderärztin hat ihre Promotionsprüfung am Hamburger Universitätsklinikum abgelegt. Sie hatte die Doktorarbeit bereits 1937/38 angefertigt, wegen ihrer jüdischen Abstammung war ihr die Zulassung zur Prüfung während des Nationalsozialismus versagt worden. Nazis hatten Zulassung verweigert Im Alter von 102 Jahren hat eine Kinderärztin ihre mündliche Promotionsprüfung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erfolgreich abgelegt. Wie die Klinik am Freitag mitteilte, hatte Ingeborg Syllm-Rapoport ihre Dissertationsschrift über Diphtherie bereits 1937/38 angefertigt. Damals arbeitete sie als Assistenzärztin am Israelitischen Krankenhaus Hamburg. Die Zulassung zur mündlichen Prüfung war ihr wegen ihrer jüdischen Abstammung von den nationalsozialistischen Hochschulbehörden verwehrt worden. Ihr Professor habe ihr damals noch ein Zertifikat ausgestellt, dass er die Arbeit angenommen hätte, wäre es für ihn gesetzlich möglich gewesen, berichtete die Kinderärztin. (…) “Mit dieser nachträglichen Promotion können wir geschehenes Unrecht nicht wiedergutmachen. Aber wir tragen damit zur Aufarbeitung der dunkelsten Seiten deutscher Geschichte an den Universitäten und Hochschulen bei”, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Uwe Koch-Gromus. Die Prüfung wurde nach Angaben der Klinik nach der neuesten Promotionsordnung abgenommen. (..) Syllm-Rapoport war 1952 nach der Rückkehr aus dem Exil in den USA zusammen mit ihrem Mann in die DDR gegangen. Dort war sie eine hochdekorierte Professorin für Neonatologie (Neugeborenenheilkunde) an der Berliner Charité.

via sz: Nazis hatten Zulassung verweigert – 102-Jährige legt Promotionsprüfung ab

siehe auch: After being denied by Nazi regime, German-Jewish woman earns PhD at age 102. Ingeborg Syllm-Rapoport is among the oldest doctoral students in Germany. She has received her doctorate at the age of 102, after being refused by the Nazi regime to complete her defense due to her Jewish background. Pediatrician Ingeborg Syllm-Rapoport passed her PhD’s defense examination at the age of 102 at the university clinic of Hamburg-Eppendorf, the German news agency dpa and the Berlin daily “Der Tagesspiegel” reported on Friday. She was refused admission by the Nazi-influenced university authorities for the oral defense due to her Jewish mother. According to the clinic, she had already finished her thesis on diphtheria between 1937 and 1938. At the time, she was working with the Israelite hospital in Hamburg.

Vandals destroy monument to Polish Jews killed in Holocaust

Incident at cemetery in Rajgrod targets memorial to community exterminated in 1942. An act of vandalism destroyed a monument commemorating a Polish Jewish community. Police are investigating last week’s incident at the Jewish cemetery in Rajgrod, a town of some 1,700 in northeastern Poland. The cemetery does not have security monitoring. The monument was unveiled last September by the Foundation for the Preservation of Jewish Heritage in Poland and Israeli Avi Tzur, whose ancestors came from Rajgrod. The town’s Jewish population was liquidated in 1942. “This type of damage is seen as a despicable attack on Holocaust victims and their families involved in a project of commemoration,” said Monika Krawczyk, director of the Foundation for the Preservation of Jewish Heritage in Poland.

via timesofisrael: Vandals destroy monument to Polish Jews killed in Holocaust

8. Mai in Trier: Babic und die sieben Weltkriegsverlierer

Sieben Gesinnungsgefährten folgten am 8. Mai dem Aufruf des Trierer NPD-Chefs Safet Babic zu einer Kundgebung auf dem Trierer Petrisberg. Gegen TeilnehmerInnen der NPD-Versammlung leitete die Polizei Ermittlungsverfahren ein. Nach Angaben der Polizei riefen sie “Parolen, die den Verdacht einer Straftat des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86a StGB begründeten”. Folgende Situation dürfte ausschlaggebend gewesen sein: Der Trierer Detlef Walter fand in seiner Rede klare Worte und erinnerte „auch an die gefallenen Kameraden der Waffen-SS“. Daraufhin skandierten TeilnehmerInnen “Blut und Ehre”. Die Verwendung dieses nationalsozialistischen Schlagwortes ist in Deutschland strafbar. (…) Neben den Trierern Walter und Babic hielten auch Ricarda Riefling und Markus Walter (beide NPD Westpfalz) und Karl-Heinz Pfirrmann (NPD Rheinhessen-Pfalz) Reden.

via infobuero: 8. Mai in Trier: Babic und die sieben Weltkriegsverlierer

remember: „Die letzten Opfer des Krieges“

Am 10. Mai 1945 werden drei Matrosen bei Gelting wegen Fahnenflucht hingerichtet. Am Himmelfahrtstag und zwei Tage nach der Kapitulation. Kurz zuvor schreibt einer von ihnen, Alfred Gail, an seine Eltern: „Wir werden die letzten Opfer dieses Krieges sein, und auch umsonst, wie so viele Gefallene.“ Alfred Gail (20), Martin Schilling (22) und Fritz Wehrmann (26) waren am 5. Mai in Dänemark desertiert. Auslöser war die Nachricht: Eine Abordnung des Oberkommandos der Wehrmacht hatte sich mit sämtlichen Streitkräften in Nordwestdeutschland, Dänemark und Holland dem britischen Feldmarschall Montgomery ergeben. Die drei jungen Matrosen wollten sich daraufhin zu ihren Familien durchschlagen, wurden aber entdeckt, festgenommen und bei Gelting Marineoberst Rudolf Petersen übergeben. Er rief am 9. Mai ein Kriegsgericht ein, das die drei jungen Matrosen wegen „schwerer Fahnenflucht“ zum Tode verurteilte – ohne juristischen Beistand, ohne das Recht auf ein Gnadengesuch.  Am 10. Mai um 16 Uhr wurde das Todesurteil an Bord der „Buéa“ vollstreckt. Wie, das gaben Augenzeugen von der Mannschaft später zu Protokoll. Danach „brüllte“ zunächst der Batallionsführer vor versammelter Mannschaft, dass die Matrosen wegen ihrer „todeswürdigen“ Verbrechen „ausgelöscht“ werden müssten. Dann sollen zehn Soldaten auf die aneinandergebundenen Verurteilten gefeuert haben und dafür mit zwei Flaschen Cognac belohnt worden sein. Der Leiter des Erschießungskommandos habe dann auf noch auf jeden der Drei einen „Gnadenschuss“ abgegeben. Nach der Leichenschau seien die drei Matrosen beschwert mit Grundgewichten in der Ostsee versenkt worden.
Die Mutter von Fritz Wehrmann zeigte den Verantwortlichen des Kriegsgerichts, Rudolf Petersen, später wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit an. Als er und die anderen Kriegsrichter vom Landgericht Hamburg 1953 freigesprochen wurden, nahm sich die Mutter von Alfred Gail das Leben.

via kn: „Die letzten Opfer des Krieges“

Dem Führer ein Kind schenken #muttertag

Der Muttertag steht in einer frauenfeindlichen, ja mörderischen Tradition: Er war ein Feiertag im NS-Männerstaat. Das Mutterkreuz diente der Selektion unerwünschter Familien. Schenken Sie Ihrer Mutter auch Blumen zum Muttertag? Natürlich, ist doch ein uralter Brauch. Irrtum. Den Muttertag kennt man in Deutschland erst seit 1923, dank dem Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber. Er hatte die Idee aus Amerika importiert, wo man seit 1914 den Mother’s Day als Staatsfeiertag beging. So richtig zu Ehren kam der Muttertag in Deutschland allerdings erst zur Zeit der Hitler-Diktatur. Seit dem Kriegsjahr 1939 wurde er mit der Verleihung von „Mutterkreuzen“ an brave deutsche Mütter gekrönt, deren Söhne den Heldentod für das Terrorregime sterben und deren Töchter sich ebenso in der „Geburtenschlacht“ wie im Bombenhagel bewähren durften

via zeit: Dem Führer ein Kind schenken

Irving im EU-Parlament unerwünscht

Ein von Udo Voigt vorbereiteter Auftritt des britischen Holocaust-Leugners David Irving im Europaparlament in Brüssel kam am Mittwoch nicht zustande. Parlamentspräsident Martin Schulz habe Irving ein Zutrittsverbot für das EU-Parlament erteilt, beklagte sich Voigt auf seiner Internetseite. Der britische Geschichtsrevisionist Irving hatte zunächst an einer Pressekonferenz von Voigt unter der Überschrift „Versöhnung durch Wahrheit: 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs“ teilnehmen sollen. Anschließend sollte Irving bei einem Treffen des NPD-Abgeordneten mit einer Besuchergruppe aus Deutschland sprechen. Zu Gast bei Voigt ist in dieser Woche eine Gruppe aus Nordhrein-Westfalen, zu der Mitglieder der NPD-Kreisverbände Unna und Oberhausen sowie Vertreter von Christian Worchs Neonazi-Partei „Die Rechte“ aus Hamm gehören.

via bnr: Irving im EU-Parlament unerwünscht

Demmin: “Untergang der kleinen Leute” – Missbrauch durch neue Nazis

In diesem Jahr jährt sich am 8. Mai der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 70. Mal. In vielen Städten und Gemeinden finden Gedenkveranstaltungen statt. In der vorpommerschen Kleinstadt Demmin versuchen Neonazis seit einigen Jahren, einen der größten Massenselbstmorde der deutschen Geschichte für ihre menschenverachende Ideologie zu missbrauchen. Zwischen dem 29. April und dem 4. Mai 1945 nahmen sich in Demmin rund 500 Menschen das Leben. In den vergangenen Jahren instrumentalisierten Neonazis die schrecklichen Ereignisse und führten sogenannte Gedenkmärsche “zum gemeinsamen Ehrendienst an unserem Volk” durch. Auch in diesem Jahr soll wieder ein “ehrenvolles Gedenken mit Fackelumzug” begangen werden. Für sie sei der 8. Mai 1945 ein “Tag der Trauer”, dazu passt auch das Motto des diesjährigen Umzuges: “8. Mai 1945 – Kein Grund zum Feiern. Vergessen wir Tod, Leid und Besatzung nicht”. (…) Florian Huber, Historiker und Publizist, beschäftigte sich mit den Gründen des Massenselbstmordes und grenzt sich stark von rechtsextremen Deutungsversuchen ab. In den letzten Apriltagen 1945 zog sich die deutsche Wehrmacht aus Demmin zurück, gab die Stadt auf und sprengte die Brücken über Peene und Tollense. Huber beschreibt in seinem neuesten Buch “Kind, versprich mir, dass du dich erschießt” auf Grundlage von Tagebucheinträgen der Demminer Bevölkerung die damaligen Ereignisse. So hätte es in Demmin “keinen Endkampf, kein gesonderten Rückzug [gegeben], sondern ein fluchtartiges Absetzen”. Die kampflose Räumung der Stadt habe seinen Preis gehabt, die Menschen seien dem Feind schutzlos überlassen worden. Für den Massenselbstmord habe es laut Huber zahlreiche Gründe gegeben. Man müsse immer die ganze Geschichte erzählen, so Florian Huber weiter. Damit grenzt er sich von der Interpretation der Neonazis ab, die ausschließlich den Einmarsch der roten Armee als Auslöser für die Selbstmorde sehen. Laut Huber seien Zusammenbruch des Weltbildes, aber auch Furcht und Flucht vor dem Nichts, einige Gründe für einen der größten Massenselbstmorde der neueren deutschen Geschichte. Die Menschen wussten damals genau, was die deutschen Soldaten getan hatten, Schuldbewusstsein und Angst vor Vergeltung seien ein Grund für den Suizid gewesen. Ende April zog die rote Armee in Demmin ein, durch die Zerstörung der Brücken saßen die sowjetischen Truppen einige Tage fest. Es kam zu Brandschatzungen, wobei nicht klar sei, ob durch die Besatzer oder die Hauseigentümer selbst, und auch zu vielen Gewalttaten und Vergewaltigungen. Diese erlebte Gewalt und bereits im Vorfeld, die Angst vor der Gewalt durch die Rote Armee, seien weitere Gründe für den Freitod. Für den Historiker kam aber auch Massenhysterie als Grund in Frage.

via endstation rechts: Demmin: “Untergang der kleinen Leute” – Missbrauch durch neue Nazis

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